Kurz gesagt: Sondertilgung oder ETF? Wenn du einen Teil deines Kredits vorzeitig zurückzahlst (Sondertilgung), erzielst du eine sichere, steuerfreie „Rendite“ in Höhe deines Sollzinses. Ein ETF kann mehr bringen, aber die Rendite ist unsicher und wird versteuert. Im Beispiel unten braucht ein ETF vor Steuern etwa 4,6 % pro Jahr, um mit einem Kredit zu 3,9 % gleichzuziehen. Ob er das schafft, weiß vorher niemand.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Jeder Euro Sondertilgung spart Zinsen in Höhe deines Sollzinses, ohne Risiko und ohne Steuer auf die Ersparnis.
- Die Rendite eines ETF musst du nach Steuern und nach Risiko vergleichen. Die Abgeltungsteuer beträgt 25 %, dazu kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer. Das ergibt 26,375 %. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge befreit (Teilfreistellung), sodass der effektive Satz bei rund 18,5 % liegt.
- Der Break-even (Gleichstand) hängt vor allem von deinem Sollzins ab: rund 3,6 % Brutto-ETF-Rendite bei einem Kredit zu 3 %, rund 4,6 % bei 3,9 %, rund 5,9 % bei 5 %.
- Geld, das du als Sondertilgung zahlst, bekommst du nicht zurück. ETF-Anteile kannst du verkaufen, zum Kurs des jeweiligen Tages.
Warum ist der Vergleich schwierig?
Beide Optionen sehen ähnlich aus („Ich habe 20.000 €, wo bringt das Geld mehr?“), sind aber verschiedene Dinge. Die Sondertilgung ist eine sichere Ersparnis. Ein ETF ist eine unsichere Rendite. Einen garantierten Zins von 3,9 % mit angenommenen 7 % pro Jahr zu vergleichen, die in einem schlechten Jahr stark schwanken können, ist kein Vergleich auf Augenhöhe. Und wer behauptet, die Antwort sei offensichtlich, hat einen Schritt übersprungen.
Was du tun kannst: die Zahlen sichtbar machen. Genau das macht der Rest dieses Artikels.
Wie viel spart eine Sondertilgung?
Nehmen wir ein Darlehen über 350.000 € mit 3,9 % Sollzins und jedes Jahr 5.000 € Sondertilgung. Die Wirkung hängt stark von der Tilgung ab, denn bei langsamer Tilgung ist mehr Restschuld vorhanden, auf die die Sondertilgung wirken kann:
| Tilgung | Laufzeit ohne Sondertilgung | Laufzeit mit 5.000 €/Jahr | Verkürzung um | Eingesparte Zinsen |
|---|---|---|---|---|
| 1 % | 40 J. 10 M. | 25 J. 0 M. | 15 J. 10 M. | 151.451 € |
| 2 % | 27 J. 10 M. | 19 J. 10 M. | 8 J. 0 M. | 70.717 € |
| 3 % | 21 J. 5 M. | 16 J. 5 M. | 5 J. 0 M. | 41.742 € |
Eigene Berechnung: Rate fest auf Basis der Tilgung, Sondertilgung jeweils am Jahresende, Zinssatz über die ganze Laufzeit konstant.
So liest du die Tabelle: Je niedriger deine reguläre Tilgung, desto mehr verändert eine Sondertilgung. Viele Artikel nennen eine einzelne Zahl, ohne die Tilgung anzugeben. Eine Zahl ohne diese Annahme lässt sich nicht überprüfen.
Welche Rendite braucht ein ETF, um mitzuhalten?
Nehmen wir einen Einmalbetrag von 20.000 € und 10 Jahre. Verglichen werden:
- Sondertilgung zu deinem Sollzins, wobei angenommen wird, dass die gesparten Zinsen praktisch zum selben Zins wieder angelegt werden.
- ETF mit konstanter jährlicher Rendite, nach 10 Jahren verkauft, mit Steuer auf den Gewinn.
| Wert nach 10 Jahren | |
|---|---|
| Sondertilgung bei 3 % | 26.878 € |
| Sondertilgung bei 3,9 % | 29.321 € |
| Sondertilgung bei 5 % | 32.578 € |
| ETF, 4 % brutto, nach Steuern | 27.832 € |
| ETF, 5 % brutto, nach Steuern | 30.256 € |
| ETF, 7 % brutto, nach Steuern | 35.772 € |
| ETF, 9 % brutto, nach Steuern | 42.298 € |
Das Beispiel in einem Satz: Mit 20.000 € und einem Kredit zu 3,9 % ist die Tilgung nach 10 Jahren etwa 29.321 € wert. Ein ETF, der stetig 5 % pro Jahr erwirtschaftet, steht nach Steuern bei etwa 30.256 €, einer mit 4 % bei etwa 27.832 €.
Steuerannahmen: Abgeltungsteuer 25 % (§ 32d EStG) plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer (§ 4 SolzG 1995) = 26,375 %; 30 % Teilfreistellung für Aktienfonds (§ 20 Abs. 1 InvStG). Nicht berücksichtigt: die Vorabpauschale, die Kirchensteuer, der Sparer-Pauschbetrag (1.000 € bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung, § 20 Abs. 9 EStG) und die Fondskosten.
Jetzt andersherum: Welche Brutto-Rendite brauchst du, um den Break-even zu erreichen?
| Dein Sollzins | Nötige Brutto-ETF-Rendite für den Break-even |
|---|---|
| 3,0 % | 3,6 % |
| 3,9 % | 4,6 % |
| 5,0 % | 5,9 % |
Der Break-even liegt nur etwa 0,6 bis 0,9 Prozentpunkte über dem Sollzins, weil 30 % der Erträge steuerfrei sind und in dieser vereinfachten Rechnung die Steuer erst beim Verkauf anfällt. Vereinfachte Vergleiche übersehen das oft. Ein Break-even ist aber keine Prognose. Auch ein breit gestreuter Aktien-ETF kann innerhalb weniger Monate einen großen Teil seines Werts verlieren, und die Tabelle nimmt an, dass die Rendite gleichmäßig eintrifft. Echte Renditen tun das nicht.
Was gehört noch in die Entscheidung?
- Liquidität. Eine Sondertilgung ist endgültig. Wird nächstes Jahr dein Dach undicht oder sinkt dein Einkommen, ist das zurückgezahlte Geld weg, und der getilgte Betrag steht nicht automatisch wieder als Kredit zur Verfügung. ETF-Anteile kannst du verkaufen, zum Kurs des Tages.
- Grenzen im Vertrag. Viele Banken erlauben eine Sondertilgung einmal im Jahr bis zu 5 %, teils bis zu 10 % der ursprünglichen Darlehenssumme (Verbraucherzentrale, Stand 19. November 2025). Welche Grenze für dich gilt, steht in deinem Vertrag. Bei einem Immobiliardarlehen mit Zinsbindung ist eine vorzeitige Rückzahlung während der Zinsbindung nur mit einem berechtigten Interesse zulässig (§ 500 Abs. 2 BGB). Ein Sondertilgungsrecht im Vertrag macht regelmäßige Extrazahlungen erst möglich. Steigst du doch vorzeitig aus, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen (§ 502 BGB), siehe Vorzeitig aus dem Kredit.
- Zinsbindung. Die 3,9 % in den Beispielen gelten nur, solange der Sollzins festgeschrieben ist. Nach Ende der Zinsbindung kann der Zins auf die Restschuld höher oder niedriger liegen, siehe Zinsbindung läuft aus.
- Verhalten. Ein fester Sondertilgungsplan läuft von allein. Eine ETF-Position musst du durch Kursrückgänge hindurch halten. Manchen gelingt das eine zuverlässiger als das andere.
- Vermietete Immobilie. Wird die Immobilie vermietet, können die Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung abziehbar sein. Das verändert den Vergleich und sollte steuerlich von einer fachkundigen Stelle geklärt werden.
Häufige Fragen
Ist eine Sondertilgung eine gute Geldanlage?
Gilt die Teilfreistellung von 30 % für jeden ETF?
Ab welchem Zins wird die Sondertilgung attraktiv?
Kann ich beides tun?
Alle Berechnungen dienen nur der Information und stellen keine Anlage- oder Steuerempfehlung dar. Lass deinen Vertrag und deine steuerliche Situation von einer fachkundigen Stelle prüfen.
Die Informationen in diesem Artikel dienen nur der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Finanz- oder Anlageempfehlung dar. Zinsen und Konditionen hängen von deiner persönlichen Situation ab und ändern sich im Zeitverlauf. Ein persönliches Angebot und deinen individuellen Zinssatz erhältst du bei deiner Bank oder bei deinem Finanzierungsberater. Renditen von ETFs sind nicht garantiert. Steuerliche Fragen klärst du mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater.
Teste es mit deinen Zahlen in Hypomeister
Die Tabellen oben verwenden Beispielwerte. In Hypomeister gibst du deinen eigenen Kredit ein, legst ein jährliches Sondertilgungs-Ziel fest und siehst, wie viele Zinsen du sparst und wie viel früher der Kredit endet, bevor du dich entscheidest.
→ Hypomeister öffnen · So funktionieren Sondertilgungen · Glossar: Sondertilgung
Quellen
- § 32d EStG, § 20 EStG, § 4 SolzG 1995, § 2 InvStG, § 20 InvStG, § 500 BGB, § 502 BGB, alle am 7. November 2026 gegen den Gesetzestext geprüft
- Grenzen für Sondertilgungen: Verbraucherzentrale, „Baufinanzierung vorzeitig ablösen: Ohne Extrakosten aus dem Baukredit“, Stand 19. November 2025, am 7. November 2026 gelesen
- Eigene Berechnungen: Sondertilgungstabelle, 10-Jahres-Vergleich und Break-even (am 7. November 2026 neu berechnet)
- Titelbild: KI-generiert

